Die
besondere Verehrung des heiligen Hubertus begann im Rheinland im Jahre 1444,
als Herzog Gerhard II. (1437-1475) von Jülich und Berg, am Hubertustag, den
von den gelderischen Landständen als Herzog ausgerufenen Arnold von Egmond,
in der Schlacht vor Linnich besiegte. Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an
diese Schlacht stiftete Herzog Gerhard den Hubertusorden. Dieser Orden sollte
in den Ländern Jülich und Berg bis zum Jahre 1800 eine besondere Bedeutung behalten.
Nach der Legende wurde unser Schutzpatron St. Hubertus 656 oder 658 als ältester
Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse geboren. Als junger Mann kam er an den
Hof Theiderichs III. von Burgund und wurde von diesem zum Pfalzgrafen erhoben.
Da der Fürst ihm wohlgesonnen war, gelangte er bald in die höchsten Stellungen
des Reiches. Hubertus ehelichte die schöne Floribana von Löwen, die jedoch nach
kurzem Eheglück nach der Geburt ihres ersten Kindes Floribertus starb. Von unsäglichem
Schmerz über den so frühen Tod seiner Gemahlin geplagt, stürzte sich Hubertus
in allerlei weltliche Vergnügungen. Besonders der Jagdleidenschaft war er erlegen
und ließ fast keine größere Jagdgesellschaft aus.
Doch sollte sich sein Leben um 180 Grad drehen, als er bei einem seiner Jagdausflüge in den Ardennen einem kapitalen Hirsch nachstellte. Als er den Hirsch nach langer Pirsch endlich stellte, war er sehr verwundert, als dieser ohne Regung vor ihm stehen blieb. Schon wollte Hubertus zum Bogenschuss ansetzten, da erblickte er plötzlich zwischen den Geweihstangen des Hirsches ein leuchtendes Kreuz. Gleichzeitig vernahm er eine geheimnisvolle Stimme, die ihn ermahnte, neben den weltlichen Vergnügungen das ewige Leben nicht zu vergessen.
Die Begebenheit mit dem Hirsch bewirkte bei Hubertus,
dass er sein Leben von nun an ganz Gott weihte. Er verzichtete auf all seine
Ämter, entsagte vollständig allem weltlichen Reichtum und verschenkte sein
Vermögen an die Armen. Er zog sich in die Einsamkeit der Ardennen zurück und
lebte dort eine zeitlang als Einsiedler, bis er sich zum damaligen Bischof
von Maastricht, dem heiligen Lambertus, begab und von diesem zum Priester
ausgebildet und auch geweiht wurde. Nachdem St. Lambertus ermordet worden
war, wurde St. Hubertus sein Nachfolger als Bischof von Maastricht. In diesem
Amt leistete Hubertus in seinem ehemaligen Jagdgebiet, den Ardennen, eine
großartige Missionsarbeit. Im Jahre 721 verlegte er den Bischofssitz von Maastricht
nach dem heutigen Lüttich.
Im Jahre 727 holte Gott den rastlosen Missionar viel zu früh zu sich. Noch
heute wird seine Grabstätte, die Abtei St. Hubert, von vielen Pilgern besucht.
Durch die legendenhafte Erzählung der Begegnung von Hubertus mit dem Hirsch
ist dieser heute noch der Schutzpatron der Jäger, die an seinem Festtag, dem
3. November, die Jagd eröffnen. So nannten sich auch viele Schützenbruderschaften
nach dem Bischof von Lüttich.